Dies ist die Internetseite von Martin Rach aus Buxtehude, seines Zeichens Friedhofsgärtner und Redenschreiber.

Von unserem Umgang mit dem Tod

Der Umgang mit dem Tod und unseren Verstorbenen war zu allen Zeiten für eine Kultur bezeichnend; Totenfeiern waren und sind ein Spiegelbild gesellschaftlicher Zustände.

Was kennzeichnet unsere Totenfeiern?

  1. Sie nennen sich Trauerfeiern.
  2. Damit stellen wir den Verlust des Menschen, den man zu Grabe trägt, in den Mittelpunkt – nicht unbedingt den Menschen, der da geht.

  3. Die Menschen tragen ungewöhnliche Kleidung. Herren in dunklen, langen Mänteln prägen das Bild.
  4. Es zeigt, dass man - bewusst oder unbewusst - den Tod aus dem Alltagsleben ausgrenzt.

  5. Es herrschen strenge Riten vor – an Phantasievollem ist wenig zu konstatieren.

Wiederum zeigt sich, dass der Tod nicht zum Leben zugelassen wird.

Geburt und Tod stellen die beiden Haupttore des Lebens – die Verbindungen zwischen Himmel und Erde - dar. Unsere Kultur nimmt nun eine unglückliche Bewertung vor: Die Geburt eines Menschen wird als ein total freudiges Ereignis hingenommen - der Tod dieses Menschen als das genaue Gegenteil. Letzterer scheint so abgrundtief schlimm zu sein, dass wir ihn, so gut wie möglich verdrängen.

Nun kommt dem Tod aber zweifellos eine dem Geburtsgeschehen ähnliche Bedeutung zu. Von ihm sollte man ebensoviel Heil erwarten dürfen, wie es von der Geburt eines Menschen ausgehen mag (umgekehrt kann ja im Einzelfalle auch von der Geburt eines Menschen großes Unglück ausgehen). Verdrängt man den Tod jedoch aus seinem Bewusstsein, so macht man zwei Sachen: erstens schließt man sich von dem möglicherweise zu erwartenden Heil aus, zweitens öffnet man dämonischen Wesen Tür und Tor.

Ich befürchte, von unseren Totenfeiern geht nicht selten schlimmster Dämonismus aus; je stärker die Verdrängung, je verheerender vermag dieser zu wirken!

Wir leben im Zeitalter der Bewusstseinsseele. Damit wäre es an der Zeit, für unser eigenes Begräbnis Verantwortung zu übernehmen!

Zu den oben beschrieben 3 Punkten wäre m. E. das Richtige, genau das Gegenteilige zu tun:

  1. Wir sollten aus unseren Totenfeiern Feiern des Lebens machen, in deren Mittelpunkt die/der Verstorbene steht und nicht unser Verlust.
  2. Wir sollten die Kleidung tragen, die uns im Alltag oder an guten, festlichen Tagen gefällt und uns damit als lebensbejahende Menschen zu erkennen geben.
  3. Wir sollten uns dem Diktat überkommener Riten widersetzen und endlich mehr Phantasie in die Totenfeiern bringen:

Ich möchte nicht gegen den Sachverstand bei Totenfeiern plädieren; ich möchte diesen nur menschlichem, phantasievollem Handeln untergeordnet sehen!

Eigentlich möchte ich mich dem Thema Gestaltung von Totenfeiern beruflich zuwenden. Ich merke aber, dass ich alleine mir an den harten Knochen dort locker die Zähne ausbeißen kann. Gibt es Leute, die das berührt, was ich an diesem 29.02.2004 ins Internet stelle?

Fragen und Anmerkungen bitte an info@abschiedsreden.de .

Mit freundlichen Grüßen

Martin Rach, Buxtehude.